

Eine sechstägige Vermessung in der streng geschützten Zone des Nationalparks Phong Nha - Ke Bang hat eine bisher nicht kartierte Höhle von etwa 3 Kilometern Länge dokumentiert. Nach Angaben von Jungle Boss öffnen sich einzelne Kammern auf mehr als 100 Meter Breite.
Die Höhle trägt den Namen Hang Thang. Benannt wurde sie nach dem Einheimischen, der den Eingang zuerst meldete. Auf Englisch verwendet Jungle Boss auch den Namen Victory Cave, angelehnt an die nahe gelegene Straße 20 Quyet Thang, eine historische Route im Umfeld des Ho-Chi-Minh-Pfads.
Die Expedition begann am 3. Juni 2026. Ein Bewohner aus der Gegend hatte Jungle Boss von einem Höhleneingang berichtet, den er im Wald entdeckt hatte. Anschließend organisierte Jungle Boss gemeinsam mit der Verwaltung des Nationalparks Phong Nha - Ke Bang eine technische Erkundung.
Das Ergebnis war größer als erwartet.
Die vorläufige Karte zeigt eine Höhle von rund 3.000 Metern Länge. Im Durchschnitt ist Hang Thang etwa 70 Meter breit. Mehrere Abschnitte weiten sich auf über 100 Meter. Vom Boden bis zur Decke misst die Höhle im Schnitt rund 50 Meter, einzelne Hallen erreichen geschätzte 70 bis 80 Meter Höhe.
Hang Thang liegt im Ma-Da-Tal, zwischen der Elephant Cave und dem Ma-Da-See, auf dem Gebiet der Gemeinde Thuong Trach in der Provinz Quang Tri. Die Region ist Abenteuertouristen bereits durch geführte Routen wie die Elephant Cave und Ma Da Tal Dschungelwanderung bekannt. Hang Thang selbst ist jedoch nicht für Besucher geöffnet.
Von außen wirkt Hang Thang unscheinbar. Der Eingang ist eine dunkle Öffnung von ungefähr 5 Quadratmetern nahe dem Gipfel eines Kalksteinbergs. Um den Höhlenboden zu erreichen, musste das Team Seile setzen und rund 20 Meter an einer senkrechten Wand abseilen.
Nguyen Van Uy, stellvertretender Generaldirektor und Sicherheitsdirektor von Jungle Boss, sagte, schon der erste Schalltest habe auf einen großen Hohlraum hingedeutet.
"Als ich hinunterrief, kam der Ton laut zurück und hallte lange nach", sagte Uy.
Selbst auf dem Höhlenboden ließ sich die Größe zunächst kaum einschätzen. In manchen Abschnitten reichte das Licht der Stirnlampen nicht bis zu den Wänden. Je tiefer das Team vordrang, desto weiter öffnete sich der Raum. Die Höhle teilt sich in zwei Äste und besitzt zwei Zugänge, darunter einen sehr engen Ausgang, durch den jeweils nur ein Erwachsener passt.
Schwierig war schon der Weg bis zum Eingang. Der Berg ist von scharfkantigem Karstkalk umgeben, lokal als "tai meo" bekannt. Seile, Messgeräte und Sicherheitsausrüstung über dieses Gelände zu bringen, gehörte laut Expeditionsteam zu den härtesten Teilen der Erkundung.
Im Inneren dokumentierte das Team große Stalagmiten- und Stalaktitensysteme, darunter Säulen von geschätzten 50 Metern Höhe. Erfasst wurden außerdem Fließstein, Vorhangformationen, Sinterbecken und eine auffällig hohe Zahl an Höhlenperlen.
Gerade diese Höhlenperlen stachen heraus. Uy sagte, die in Hang Thang gefundenen Exemplare seien die größten, die er in bisher erkundeten Höhlen gesehen habe. Auffällig ist auch eine hellweiße Formation an der Decke. Nach Einschätzung von Jungle Boss könnte sie mit einer besonders hohen Kalziumkonzentration in diesem Bereich zusammenhängen.
Drei große Sinterbecken wurden ebenfalls registriert. Sie sind einer der Gründe, weshalb das Team ein unterirdisches Wassersystem in Richtung Ma-Da-See vermutet. Bestätigt ist das noch nicht. Derzeit gilt Hang Thang als trockene Höhle mit abfallender Struktur. Wasserbewegungen in der Regenzeit könnten jedoch erklären, wie die Kalziumbecken weiter wachsen.
Nguyen Xuan Huong, Produktentwicklungsdirektor bei Jungle Boss, schätzt das Alter der Höhle auf etwa 4 bis 5 Millionen Jahre. Diese Einschätzung ist vorläufig und muss durch weitere geologische Untersuchungen geprüft werden.
Das Team fand außerdem mehrere Tierskelette. Nahe dem Eingang gab es Spuren, die darauf hindeuten, dass Menschen früher möglicherweise bis zur Öffnung gelangten, um Wasser zu holen. Tiefer in der Höhle wurden keine Hinweise auf frühere Begehungen gefunden.
Das Ma-Da-Tal ist für Jungle Boss kein unbekanntes Gelände. Das Unternehmen arbeitet seit Jahren in der weiteren Umgebung, und seine Guides kennen Wald, Höhlen und Wasserläufe dort gut.
Gerade deshalb klang der Hinweis des lokalen Waldgängers zunächst nicht nach einer großen Neuentdeckung. Uy vermutete anfangs, es könne sich um einen Eingang handeln, den das Team bereits überprüft hatte. Die Beschreibung passte ungefähr zu bekanntem Terrain. Trotzdem entschied sich das Team, den Ort zu kontrollieren.
Sechs Tage später kam es mit ersten Vermessungsdaten einer großen Höhle zurück.
Der Fund zeigt nüchtern, wie wenig selbstverständlich "bekanntes Gebiet" in Phong Nha - Ke Bang ist. Selbst vertraute Täler können noch große Höhlensysteme verbergen. Dichter Wald, scharfer Kalkstein und streng geschützte Kernzonen machen jede Erkundung langsam, technisch und genehmigungspflichtig.
Jungle Boss hat nach eigenen Angaben einen Vorschlag bei der Nationalparkverwaltung und den zuständigen Behörden eingereicht. Geprüft werden soll, ob Hang Thang künftig in das Projekt Ha Ma Da Valley - Tra Ang Cave Eco-Adventure Tour aufgenommen werden kann.
Eine baldige Öffnung bedeutet das nicht.
Vorher sind weitere Untersuchungen geplant: genauere Kartierung, Sicherheitsbewertung, geologische Prüfung und ein Schutzkonzept. Jungle Boss plant außerdem, in der nächsten Entwicklungsphase mit Fachleuten aus den Vereinigten Staaten zusammenzuarbeiten.
Sollte Hang Thang eines Tages für streng begrenzten Tourismus zugelassen werden, würde die Route voraussichtlich bei Level 3 von 6 auf der Jungle-Boss-Schwierigkeitsskala liegen. Level-3-Touren in Phong Nha bedeuten normalerweise geführtes Trekking, Helm, Stirnlampe, Bewegung in Höhlen oder Wasserbereichen und deutlich mehr Betreuung als klassische Besichtigungen.
In den aktuellen Höhlentouren in Phong Nha ist Hang Thang noch nicht enthalten.
Hang Thang liegt in einer streng geschützten Zone des Nationalparks Phong Nha - Ke Bang. Ein eigenständiger Besuch ist nicht erlaubt. Schon der Einstieg erfordert technische Seilausrüstung.
Jungle Boss sieht nach der Bekanntgabe vor allem ein Risiko: unbefugte Zugänge. Höhlenformationen lassen sich schnell beschädigen. Eine Hand auf einem wachsenden Stalaktiten, ein Tritt in ein Sinterbecken oder eine Veränderung des Mikroklimas kann Prozesse stören, die über Tausende oder Millionen Jahre entstanden sind.
Sollte Tourismus später genehmigt werden, müssten Gruppengrößen, Besuchsfrequenz, Guide-Protokolle und genaue Laufwege von den Parkbehörden bestätigt werden. Bereiche mit vielen Formationen, Sinterbecken und Höhlenperlen würden durch feste Wege, Aussichtspunkte und Markierungen geschützt.
Diese Regeln entsprechen den veröffentlichten Umwelt- und Verhaltensregeln von Jungle Boss, nach denen Gäste auf festgelegten Routen bleiben und Höhlenformationen nicht berühren dürfen.
Vorerst ist Hang Thang also eine dokumentierte Entdeckung, kein Reiseziel. Die erste Karte gibt Parkverwaltung und Höhlenfachleuten eine Grundlage. Die Entscheidung, ob Besucher die Höhle jemals betreten sollen, braucht deutlich mehr Zeit.
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